NIEMEGK,
am Rande des Hohen Fläming gelegen, wurde erstmals im Jahre 1161 in einer Urkunde des Bischof Wilmar und des Markgraf Albrecht I., den man auch „der Bär“ nannte, als „de burgwardis Niemeke“ genannt. Zu einem „Burgward“ gehörten eine Kirche und umliegende Siedlungen wurden von hier aus betreut und beschützt. Nach alten Überlieferungen soll Niemegk schon 1228 das Stadtrecht erhalten haben, die Urkunde darüber ist nicht mehr vorhanden. Sehr oft änderte sich der Name von Niemeke in Nimich, Nymik, Nemik, Nimic und schließlich ab 1591 in Niemegk.
Über die Herkunft und die Bedeutung des Namens, ob slawisch von den aus dem Osten gekommenen Zuwanderern oder flamisch, nach den im 12. Jahrhundert hier angesiedelten Flamen, die ihrer neuen Heimat den Namen „auf dem Fleming“ gaben, besteht bisher keine Klarheit. Angenommen wurde auch, daß das slawische „Njemc“, der Deutsche, mit dem flamischen Ortsnamen „Nijmegen“ vermischt wurde und daraus dann Niemeke entstanden sein soll.
Das Jahr 1161 ist das Jahr der Ersterwähnung, nicht das Jahr der Gründung. Niemegk besteht als Besiedlungsort schon viel länger, denn Bodenfunde bis zurück in die Steinzeit lassen einige 3000 Jahre alte Besiedlungsstellen mit Gräberfeldern um Niemegk herum erkennen.
Viel Schriftgut der Stadt ging in den vergangenen Jahrhunderten verloren, denn die Stadt wurde mehrmals in Fehden und Kriegen ausgeplündert, abgebrannt und zerstört, die Einwohner wurden verjagt oder getötet, sind an Pest oder Cholera verstorben. Die älteste schriftliche Nachricht belegt eine Zerstörung der Stadt durch Magdeburgische Truppen im Jahre 1395. Als sich die Brandenburger mit den Sachsen 1441 stritten, wurde Niemegk für einige Tage brandenburgisch. 1547 kamen am Himmelfahrtstage „von der Hispaniern Kriegsvolk zur Zeit Caroli Quinti“ im Schmalkaldischen Krieg Söldnerscharen von Wittenberg her, „... plünderten die Stadt und legten sie ganz und gar in Asche, daß nur die Pfarre und ein einzig Haus vor dem Beltziger Tor stehen blieben“. Nach dieser Einäscherung entwickelte sich das Handwerk und der Handel wieder mit allen Berufen, die in unserer kleinen Stadt gebraucht wurden. Auch das Rathaus wurde wieder aufgebaut wie es heute noch steht. In einer Auflistung aus dem Jahre 1551 wurden neben den Ackersleuten und Kossäten 58 Brauerben genannt, die ein wichtiges Nahrungsmittel herstellten, nämlich die „Braunahrung“ Bier. Diese Bürger hatten das auf ihrem Grundstück ruhende erbliche Recht des Bierbrauens, durften aber immer nur „Reihum“ eine vom Rat bestimmte Biermenge brauen und verkaufen, was sie am Hause mit der Bierklappe anzeigen mußten. Aus einem dieser Brauerbenhäuser entwickelte sich schließlich, nach mündlichen Überlieferungen von einem Eigentümer zum anderen, der „Gasthof zum Löwen“. Das Haus war in der großen Katastrophe 1547 auch abgebrannt und wurde wieder aufgebaut. In dieser Zeit, als sich der Transport der Handelsgüter durch Pferde-Frachtfuhrwerke stärker entwickelte und diese oft vierspännigen Wagen von Hamburg her durch Sachsen und Brandenburg nach Berlin und Breslau unterwegs waren, hielten viele Frachtfuhrleute in Niemegk an und fanden im damaligen einzigen Gasthof „Zum Löwen“ Platz für den Wagen, Stall und Futter für die Pferde und ein Nachtlager für sich. Wegen der Möglichkeit der Ausspannung hieß diese Gaststätte mit Stall und Herberge Gasthof. Vermutlich brannte das Haus im Dreissigjährigen Krieg bei den durch schwedische Kriegsleute gelegten Feuersbrünsten 1636 und 1644 auch ab und wurde, nach den Kellerräumen zu urteilen, danach wieder größer aufgebaut. Doch 1684 brannten wieder 80 Häuser ab. Die Stadt erholte sich nach diesen Zerstörungen wieder, wie es aus einer Auflistung des Jahres 1697 zu entnehmen ist: es gab einen Gasthof, 2 Fleischer, 6 Bäcker, 15 Leineweber, 57 Brauer, 3 Müller, 16 Tuchmacher und 36 andere Handwerker. 1815, nach den durch Napoleon hervorgerufenen kriegerischen Erschütterungen, fand der Wiener Kongreß statt, bei dem festgelegt wurde, daß Sachsen umfangreiche Ländereien an Preußen abzutreten hat. Damit wurde auch Niemegk preußisch. Niemegk erhielt die postalische Bezeichnung Niemegk/Mark, woraus zu ersehen war, daß Niemegk nun in der Kurmark, in der Mark Brandenburg liegt. Das alte Stadtsiegel, eine Eiche auf silbernem Schild, hinten eine stürzende Eichel mit zwei Blättern, vorn das sächsische Wappen, behielt Niemegk und führt es noch heute.
Nach den vielen Zerstörungen und Bränden in den vergangenen Jahrhunderten wurde vom 25. April bis zum 2. Mai 1945 um Niemegk hart gekämpft. Es gab viele Tote und Verwundete, zerstörte Häuser und eine kaputte Infrastruktur. Auch der Gasthof zum Löwen blieb dabei nicht verschont als die St. Johannis Kirche durch sowjetische Geschütze unter Beschuß genommen wurde.
Eine Liste der Eigentümer des Gasthofs gibt es nicht, aber nachzuweisen sind: Um und nach 1700 der „Königlich Polnisch und Churfürstlich Sächsische Steuerrevisor“ Johann Melchior Sander, ein reicher Mann, der nach seinem Tode seiner Heimatstadt Niemegk ein Legat von 600 Talern für die Armen der Stadt hinterließ, 1794 der Seifensieder Niendorf, „er und der Kurfürst sollen zu den Reichsten im Land gehört haben“ heißt es in einem Reisebericht. Dann folgen aus dem Grundbuch Namen wie Ökonom Fränzel, Förster Niendorf, Christian Kirsten, Schlossermeister Zimmermann, Bäckermeister Börner, nach ihm 1879 Gastwirt Gottlieb Rudolph, 1927 sein Sohn, der Gastwirt und Schmiedemeister Hans Rudolph und letztlich 1957 seine Tochter Eleonore verehelichte Dalitz. In der Zeit der DDR erhielt sie zur Ausübung des Gastgewerbes keine Genehmigung, ihr Antrag wurde mit der Begründung „entweder Verpachtung an die staatliche Handelsorganisation HO oder Schließung“ abgelehnt. So wurde es eine HO-Gaststätte mit einer monatlichen Mietsumme von 120 DDR-Mark, nach einer Generalinstandsetzung durch die Eigentümerin 142 Mark, dann änderte die HO 1969 den Namen „Zum Löwen“ in „Forellenklause“. Die Gaststättenleiter wechselten mehrfach, mit der Wende trat die HO vom Mietvertrag zurück, Frau Böttcher mietete die Gaststätte und führte sie bis Ende Juli 1999. Am 1. August trat Peter Bailer in ein Mietverhältnis ein, führte umfangreiche Instandsetzungen durch und öffnete am 22. September 1999 die Gaststätte wieder mit dem uralten Namen Gasthof zum Löwen . |